Gesundheit im Ayurveda: Swasthavritta - Die ayurvedische Gesundheitslehre.
- Naturkraft für dich - Sabine Hesse
- 16. Mai 2022
- 4 Min. Lesezeit

Gesundheit ist kein eindeutig definierbarer Begriff, sie ist vielschichtig, schwer fassbar und nur schwer zu beschreiben.
Es ist ein in kultureller und historischer Hinsicht vielschichtiger Begriff. Je nach wissenschaftlicher Disziplin wird er unterschiedlich verstanden, und auch der subjektive Gesundheitsbegriff jedes Einzelnen variiert stark (z.B. abhängig von Alter, Bildung und kulturellem Hintergrund). *
Gesundheit kann als Gegenbegriff zu Krankheit (früher auch Ungesundheit) gefasst werden und beschreibt dann den wünschenswerten „Normal“-Zustand als Freisein von Krankheit. *
Einem naturwissenschaftlich verstandenen engen Begriff von Gesundheit nach dem bio-medizinischen Modell steht auch ein ganzheitlicher Begriff von Gesundheit gegenüber. *
Gesundheit kann sich auf den einzelnen Menschen beziehen, und als Zustand des körperlichen wie geistigen Wohlbefindens, oder der physischen und psychischen Funktions- und Leistungsfähigkeit begriffen werden. *
Mit dieser Definition löste die WHO den Begriff Gesundheit aus einer rein biomedizinischen Sichtweise und den engen Bezügen des professionellen Krankheitssystems. Gesundheit wird als multidimensional definiert: Sie umfasst körperliche, seelisch-geistige und soziale Anteile, die sich wechselseitig beeinflussen.
Swasthavritta ist die Ayurvedische Gesundheitskunde
Ayurveda, die Wissenschaft vom langen Leben, ist ein vielfach angewandtes Gesundheitssystem. Swasthavritta bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt so viel wie „die Lebensweise, die der eigenen Natur entspricht“.
Die Kenntnis der eigenen Natur bzw. der eigenen Konstitution ist also die Grundlage für geeignete Empfehlungen zur gesundheitsfördernden Lebensweise. Gesundheit wird dabei ganzheitlich betrachtet.
Gesundheit wird mit Glück gleichgesetzt
Zum Verständnis von Gesundheit gibt es die unten folgende Beschreibungen in der ayurvedischen Lehrliteratur.
„Körper und Geist stellen die Grundlage für Krankheit und Glück (=gute Gesundheit) dar. Ein ausgewogener Gebrauch (von Zeit, geistigen Fähigkeiten und den Sinnesorganen) ist der Grund für Glück.“
(Caraka Samhita, Sutrasthana 1.55)
„Eine Störung ist das Ungleichgewicht der Dhatus (Körpergewebe), und ihr Gleichgewicht ist Normalität oder Gesundheit. Gesundheit ist auch bekannt als Glücklichsein, während Ungleichgewicht Unglücklichsein bedeutet.“
(Caraka Samhita, Sutrasthana 9.4)
Gesundheit wird hier mit einem Zustand des Glücks gleichgesetzt. Glück oder Glücklichsein hängt in erster Linie davon ab, was der Geist ins Bewusstsein bringt und wie dadurch das Leben und seine Wahrnehmung beeinflusst wird.
Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit.
Alle Maßnahmen im Ayurveda dienen dazu, den Zustand der Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen. Grundlegend ist dabei immer die eigene Natur, die individuelle Konstitution.
Alle Aspekte des Lebens werden mit einbezogen: die körperlichen Bedürfnisse sowie die psychischen, sozialen, ethischen und spirituellen Aspekte des Lebens.
Es geht immer wieder darum, trotz sich verändernder Bedingungen, wie etwa wechselnde Tages- und Jahreszeiten, das innere Gleichgewicht zu bewahren und durch geeignete Maßnahmen Störungen rechtzeitig entgegenzusteuern.
Der Ayurveda sieht in Gesundheit mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Vielmehr geht es um Swastha, einen Zustand, der mit „im natürlichen Zustand befindlich“ oder „im Selbst verweilen“ übersetzt werden kann.
Solange wir in Kontakt mit unserem wahren Selbst, unserer innersten Natur (Prakriti) sind, befinden wir uns in einem ausgeglichenen und kraftvollen Zustand auf allen Ebenen unserer Persönlichkeit.
Wer seine eigene Konstitution kennt, kann ideal auf die Bedürfnisse von Körper, Geist und Seele eingehen und dafür sorgen, dass diese in Balance bleiben.
Die eigene Natur zu erkennen und zu leben ist die Voraussetzung und das Ziel für ein langes, gesundes und erfülltes Leben.

7 Voraussetzungen für Gesundheit
Gemäß ayurvedischem Verständnis gibt es die sieben folgenden Voraussetzungen für Gesundheit.
Die drei Doshas sind im Gleichgewicht.
Das heißt, die aktuelle Verteilung der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha entspricht der individuellen natürlichen Konstitution des Menschen (Prakriti).
Das Verdauungsfeuer Agni arbeitet optimal.
Das bedeutet, dass Verdauung und Stoffwechsel einwandfrei funktionieren, damit der Körper gut mit Nährstoffen versorgt werden kann und es nicht zu unangenehmen oder gesundheitsschädlichen Folgen kommt.
Die Gewebe des Körpers (die Dhatus) sind stabil und versorgt.
Der Ayurveda kennt sieben Gewebe des Körpers (Sapta Dhatu), die den Körper aufbauen und erhalten. Voraussetzung für den stabilen. Aufbau der Gewebe ist die Aufnahme der Nahrung, die alle nötigen Elemente enthält. Während des Verdauungsvorgangs wird die Nahrung in brauchbare Stoffe und Abfallprodukte getrennt. Die funktionierende Verdauung ist also eine Voraussetzung für den richtigen Gewebeaufbau.
Unnötige oder schädliche Abfallstoffe werden ausgeschieden.
Bei der Bildung eines Gewebes entsteht auch Mala, übersetzt als „Abfallprodukt“. Diese Übersetzung ist jedoch missverständlich, da manche Malas durchaus gebraucht werden (z.B. die Tränenflüssigkeit).
Die Sinne funktionieren ohne Einschränkung.
Die Sinnesorgane bilden eine Brücke zwischen der äußeren und der inneren Welt. Sie können, je nach Erlebtem, unseren Körper und Geist stärken oder schwächen, weswegen ihre regelmäßige Pflege so wichtig ist. Gedanken über unsere Sinne machen wir uns in der Regel leider erst dann, wenn einer ausfällt.
Klarheit & Wohlbefinden des Geistes
Über Sinnesorgane und Sinnesfähigkeiten steht der Geist im Kontakt mit der Außenwelt. Er steht jedoch auch im Kontakt mit den tieferen Anteilen des Menschen, der Seele, und empfindet Glück und Unglück.
Der Mensch ist im Kontakt mit seiner Seele und glücklich.
Die Seele (oder das Selbst) ist der unveränderliche Wesenskern, der auch nach dem Tod weiterexistiert.
Natürlich stellt diese Definition einen Idealzustand dar, der schwierig zu verwirklichen ist.
Die ganzheitlichen Empfehlungen des Ayurveda bringen uns dem Ziel Gesundheit jedoch Schritt für Schritt näher bzw. helfen uns, unsere Gesundheit zu erhalten. Wenn wir sie in unser Leben und unseren Alltag integrieren. Auf der Grundlage unserer eigenen Natur. So, wie es für uns passt, in unserer eigenen Geschwindigkeit.
Alles Liebe
Deine Sabine
*Quelle: Wikipedia






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